• raumpfad #01 © 2010 Paul Weihs

Raumpfade oder die verkehrte Welt des Kuratierens

Während wir noch an der Postproduktion des Films „Estadio Insular“ arbeiten, läuft unser nächstes Projekt Raumpfade parallel. Die Werkserie ist für einen nicht genau definierten Zeitraum geplant und handelt von der imaginären Beziehung von fotografisch festgehaltenen Raumeindrücken und uns befreundeten Menschen. Die Idee entstand aus der Praxis, wo beim Betrachten der Bildsujets spontan Bezüge zu Bekannten aufgetaucht sind. Die Parameter liegen in verschiedensten realen aber natürlich auch vor allem subjektiv surrealen Aspekten. Da uns der Moment der Reflexion einzelner Sujets unter der Einbindung der noch nichts ahnenden ProtagonistInnen immer wieder Spaß macht, entstand das Konzept der Raumpfade.

Die großformatigen Fotografien werden in der Reihenfolge der Einbeziehung in das Projekt nummeriert. Die Geschichte, wie das Ganze, also das Foto, die Verbindung zur Person, entstanden ist, läuft in der Tradition der „oral history“, auf der Beziehungsebene zwischen uns und den TeilnehmerInnen.

 

  • raumpfad #02 © 2011 Paul Weihs

Die Zuordnungen entstehen spontan, uns meistens selbst überfallend, keiner Strategie folgend. Die Kuratorenschaft wird umgedreht, es geht nicht um die Auswahl von KünstlerInnen, sondern um die Selektion der BetrachterInnen, der Kunst konsumierenden, also der Menschen, die danach möglicherweise mit dem Kunstwerk leben. Die Pfade als verlängerte Inspiration eines Mediums schließen die Unvorhersehbaren mit ein und machen das Gesamtprojekt zu einer sozialen Skulptur > einer Intervention.

Der Moment der Übergabe ist ein fordernder, spannender Prozess, da es ja im Vorhinein gar nicht sicher ist, ob sich die Person mit dem „objet arrivé“ identifizieren kann und ob es überhaupt die Offenheit gibt, an solch einem Projekt teil zu nehmen.

 

  • raumpfad #03 © 2011 Paul Weihs

Den Beschenkten steht es frei über die Nutzung des Bildes zu entscheiden, genau dieser Aspekt braucht eine offene Richtung, wo auch immer das Bild hin wandert, ob es bei den Auserkorenen bleibt, in den eigenen vier Wänden oder in der Firma hängt, hinter dem Kasten steht oder gleich bei Ebay zur Selbstabholung angeboten wird, bleibt ungewiss.

Der Zyklus Raumpfade ist mit einer Sujetanzahl von ca. 18 Fotoarbeiten geplant, danach wird es zu einer Ausstellung kommen, in der die TeilnehmerInnen mittels Portrait den Sujets gegenüber gestellt werden. Begleitet wird die Ausstellung von einem Katalog mit Texten zu den Bildern und Interviews mit den Bildprotagonisten. Genau dann ist die Arbeit der über den Zeitraum gewachsenen sozialen Skulptur vollendet und abgeschlossen. Im Beitrag sind die ersten Raumpfade zu sehen, die derzeit in Wien, Zürich und Berlin verstreut sind. Die Beschenkten bleiben bis zur Ausstellung anonym.

a project by

Birgit Mollik, Paul Weihs