• © 2011 Paul Weihs
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Eigentlich gehörten sie einmal zu den wichtigsten Bauwerken der Insel, immerhin ermöglichten sie die Bewirtschaftung von nahezu 80% der landwirtschaftlichen Flächen einer Lößinsel, die auf Grund ihrer geologischen Formation kein Quellwasser besitzt. Die Landwirtschaft liegt bis auf die Weingärten brach und daher werden diese Objekte zu jeder Funktion entbundenen Landart-Skulpturen mit großer Geschichte, Patina und formal interessanten "Ready Mades".

Für mich liegt das spannende an den Skulpturen in ihrer eingebetteten Form. Immerhin ist ja nur ein Teil des Volumens sichtbar, der Rest ist unter der Erde. Die Kubatur, das Gewicht, die Erdung wird spürbar an die Oberfläche übertragen. Das bis in die 60er Jahre verwendete Kupfervitriol erzeugt die gemäldeartige Patina der Becken, ein breites Farbenspiel umgeben von Schilf und Gras der Umgebung. Die Weichheit des Lößbodens mit pastosem Kolorit hält die Objekte in sanfter Umarmung.

Die Objekte liegen verstreut auf der Insel und sind je nach Jahreszeit mehr oder weniger sichtbar. In der gestalterischen Annäherung liegt für mich der Versuch durch formales Abtasten der Skulpturen sie verstehen zu lernen, die gewachsenen Geschichten zu erkennen und die Spuren auf den Oberflächen mit den perspektivischen Bezügen zwischen Landschaft und Objekt zu sehen.

Die Skizzen unterstützen den Prozess, bringen Zeit und Verständnis und bilden gleichzeitig eine Aneignung der Skulpturen im Sinne der Ready Mades, wo es weniger um die Modulation des Vorhandenen geht sondern viel mehr um das stille Begreifen und den Aufbau einer Beziehung zu den stummen auf der Insel verweilenden abstrakten Wächtern. Zur Zeit werden sie für Wegmarkierungen, künstlerische Interventionen oder einfach als Orientierungspunkte für Wegbeschreibungen verwendet. Irgendwie hat man das Gefühl, dass sie auch noch funktionieren. Wahrscheinlich muss man sie einfach nur reinigen. Doch gerade dieser Zustand der fragilen Nichtnutzung wirkt anziehend.

Mittlerweile leben wir seit über 10 Jahren auf dieser Insel und gerade in Phasen, in denen wir durch internationale Projekte weniger Zeit haben, hier zu sein und zu arbeiten, werden Dinge, die wir schon lange beobachten, verstärkt präsent und es wird immer wichtiger sie in ihrer zeitlichen Vergänglichkeit fest zu halten. Die Änderungen, die schon passiert sind, haben so viel gelöscht, wovon wir vor Jahren geglaubt haben, dass diese Element uns ewig begleiten würden. Jetzt vor dem EU Betritt wird schon spekuliert und geplant und auf die landwirtschaftlichen Förderungen geblickt. So ist vielleicht die von unseren Wächtern begleitete Ruhe nur mehr einen kurzen Moment präsent um danach wieder in der Funktion zu verblassen.

2011 05 16 | die 'ready mades' in der landschaft, kolorit, perspektiven und oberflächen von 'found objects' in susak